Gamifizierung & Game Based Learning

Updated 9/7/20 by Denise Henry

Können Sie den Unterschied zwischen Gamifizierung und Game-Based Learning (GBL) erklären? Wissen Sie, wie beide aussehen, sich anfühlen und auf die Lernenden wirken? Obwohl sich beide auf Aspekte von Spielen beziehen, wirken sie in unseren Klassenzimmern auf unterschiedliche Art und Weise.

Gamifizierung ist eine extrinsische Belohnungsstrategie, die das Verhalten der Lernenden auf ein Ziel hin formt – ihr eigenes Ziel und das der Lehrenden. Jedes Mal, wenn ein Verhalten stimuliert wird, erfolgt der Einsatz von Gamifizierung. Pfadfinderinnen tragen Abzeichen auf ihren Uniformen, um stolz ihre erworbenen Fähigkeiten zu zeigen. Lehrende gamifizieren ihren Unterricht, indem sie Gruppen- und Tischpunkte vergeben. Die Lernenden können diese Punkte ansammeln und so soziale Anerkennung und Belohnungen erreichen. Gamifizierung fordert die Lernenden eindeutig dazu auf, selbstständig ihre Ziele zu verwirklichen. Weiterhin schafft Gamifizierung eine Lernstruktur, um Fortschritte zu erkennen, und bietet motivierende Belohnungen. Im Klassenzimmer müssen wir uns über die Rolle der Gamifizierung und die Auswirkungen auf unsere langfristigen Ziele für Lernende im Klaren sein. Sebastian Deterding, ein Forscher der Universität Hamburg, ermutigt uns, über die extrinsischen Motivationsaspekte der Gamifizierung hinauszugehen und "die intrinsischen Motivationen" von Individuen zu verstärken, sodass wir dauerhafte Veränderungen in ihnen unterstützen. Wir erleben eine erhöhte Motivation und Bereitschaft, wenn wir Lernspiele in unserem Unterricht einsetzen. Die Lernenden entwickeln einen inneren Antrieb und geben ihr Bestes.

Gut konzipiertes game-based learning (GBL) nutzt zwei Arten von intrinsischen Belohnungen: Autonomie - der Wunsch, unser eigenes Leben zu gestalten, und meisterhaftes Können - der Drang, Fortschritte zu erzielen und etwas gründlich zu verstehen. Beide Aspekte stehen im Zentrum des GBL. Lernende agieren autonom, von Anfang bis Ende. Sie entscheiden, den Zeitpunkt und die Art der Hilfe, die sie benötigen. Eine selbstbewusste Lernmentalität (Growth Mindset) ist erforderlich, um ein umfassendes mathematisches Verständnis zu erlangen. Viele Lernende verlieren den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten, vor allem jene mit besonderen Bedürfnissen. Lernspiele verringern den Lern- und Erfolgsdruck, alles immer "schnell und richtig" machen zu müssen. Sie bieten die Möglichkeit unabhängig und ohne Risiko zu üben und den Wissensstand zu erweitern. Lernende erwarten, dass sie beim Spielen Fehler machen und fühlen sich nicht als Versager, wenn sie ein bestimmtes Spiel immer wieder neu versuchen. Eine sichere Lernumgebung allein ist jedoch nicht alles. Lernende müssen das Spiel auch als Herausforderung wahrnehmen, aber nicht als unmögliche Hürde. Feedback ist extrem wichtig, um Fortschritte zu erzielen. Während des Spiels wird dieses auf der Grundlage der gerade gemachten Fehler gegeben und verhilft der Spielerin oder dem Spieler zum Erfolg. Es ist direkt, relevant und individuell.

Lehrende suchen immer wieder nach anspruchsvollen Lernspielen, die den Matheunterricht bereichern und spannend machen. Zusätzlich soll auch die bestmögliche Lernerfahrung vermittelt werden. Falls eine Kollegin/ein Kollege Sie um Rat beten würde, welche der folgenden Online-Mathematik-Lernspiele würden Sie ihr oder ihm für den Unterricht vorschlagen?
  1. Die Lernenden lösen mehrere Additionsprobleme richtig und dürfen dann eine Runde virtuellen Flipper spielen. Auf dem nächsten Bildschirm lösen sie mehrere Subtraktionsprobleme und spielen dann eine weitere Runde virtuellen Flipper. Sobald sie 20 Fragen richtig beantwortet haben, erhalten sie eine Münze, mit der sie neue Kleidung für ihren Avatar kaufen können.
  2. Lernende fügen einen Summanden in eine Gleichung ein, um sich auf einem Zahlenstrahl zu einem bestimmten Punkt zubewegen. Ist dieser Summand richtig, läuft ihr Avatar zu dem Punkt, der die Summe darstellt. Sie können ihren Avatar hoch springen lassen und eine virtuelle Piñata brechen. Ihr Avatar bewegt sich jedoch nicht, wenn ein falscher Summand eingegeben wurde.

Mit Beispiel B haben Sie ein pädagogisch starkes Lernspiel vorgeschlagen. Es unterstützt umfassendes Lernen, welches in ein Spiel eingebettet wurde. Mathematik sollte immer die Grundlage der Spielmechanik sein, nicht eine zusätzliche Belohnung für richtige Antworten. Im Beispiel A handelt es sich um eine Belohnung für die gewünschte Antwort und die mathematischen Aufgaben an sich beinhalten nichts "Spielerisches".

Wir haben eine Checkliste für Sie bereitgestellt, die Sie während Ihrer Überprüfung von Lernspielen verwenden können und Ihnen dabei helfen kann, die Lernerfahrungen im Unterricht zu maximieren.

Gamifizierung

Game-Based Learning (GBL)

Die Leistung wird durch Spielebenen, Punkte, Abzeichen und Medaillen angezeigt

Erfordert aktives Lernen und bei Misslingen bietet es sofort die Möglichkeit erneut zu spielen

Fortschritt wird deutlich kommuniziert

Integriert Lernen und Üben in das Spiel und ist auf spezifische Lernziele ausgerichtet

Elemente können in Spiele und eine Lernplattform eingebettet sein

Erfolg ist möglich und die Anforderungen nehmen mit dem Spielverlauf zu

Bietet soziale Anerkennung für Leistungen

Bietet sofortiges Feedback

Extrinsisch lohnend

Intrinsisch lohnend

Zitate

Gamification and GBL Presentation to Unitec Dr. Paul Pivec

GAMIFICATION IN EDUCATION Gabriela Kiryakova1 , Nadezhda Angelova2 , Lina Yordanova3

Lee, Joey & Hammer, Jessica. (2011). Gamification in Education: What, How, Why Bother?. Academic Exchange Quarterly. 15. 1-5.


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